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Sunraising: Das Potenzial von ungenutzten Dächern ist riesig

Wer am Bärner Stadtfescht ein Bändeli kauft, macht auch etwas für die Umwelt. Matthias Egli, Präsident von Sunraising, erklärt, wie das Prinzip funktioniert, warum die Stadt im Solarbereich Nachholbedarf hat und was passiert, wenn es regnet.

Sunraising: Das Potenzial von ungenutzten Dächern ist riesig

Ein von aussen ganz normales Mehrfamilienhaus am Schreinerweg 16 in der Länggasse. Ein Sunraising-Vorstandskollege von Matthias Egli, der dort wohnt, öffnet uns die Tür und führt uns nach oben aufs Dach. Dort stehen insgesamt 24 Solar-Panels, die Strom für die gesamte Liegenschaft erzeugen. Die Anlage, obwohl sie nicht von Sunraising betrieben wird, ist für Matthias Egli «sinnbildlich»: «Selbst kleine Installationen sind heute wirtschaftlich zu betreiben.» Zu Sunraising selbst gehören in Bern 24 Solaranlagen. Das Prinzip des gemeinnützigen Vereins funktioniert so: Alle Einwohnerinnen und Einwohner Berns, egal ob Mieter oder Eigentümer, können eine bestimmte Fläche an Solarzellen kaufen. Der Quadratmeter kostet 350 Franken. Für diesen Preis erhält man zwanzig Jahre lang 110 Kilowattstunden Strom pro Jahr – unabhängig davon, wie sich die Strompreise entwickeln.

Matthias Egli, existieren in Bern genug Dächer für Solarstromanlagen?

Derzeit gibt es mehr Menschen, die diesen Strom kaufen möchten, als uns nutzbare Flächen zur Verfügung stehen Dächer. Gründe dafür sind Renovierungen oder statische Herausforderungen.

Hat die Nachfrage nach dieser Art von Strom in den letzten Jahren zugenommen?

Führte der Krieg in der Ukraine gar zu einem Boom? Der Ukrainekrieg hat viele zu einem Umdenken bewogen, das ist tatsächlich so. Der Boom war nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Klimabewegung zwar bereits da, doch der Krieg hat ihn zusätzlich beschleunigt. Die Nachfrage explodierte schier.

Wer am Bärner Stadtfescht ein Bändeli kauft, investiert direkt in Solarstrom. Erklären Sie uns das bitte genauer.

Zehn Prozent des Bändeli-Erlöses gehen an Sunraising. Mit diesem Geld bauen wir eine komplett neue Solaranlage. Der damit gewonnene Strom fliesst an eine, gemeinnützige Organisation, die auf diese Weise zwanzig Jahre lang gratis den Anteil Strom beziehen kann.

Je mehr verkaufte Bändeli, desto mehr Sonnenstrom also?

Genau!

Solarstrom ist schön und gut – wenn es regnet, bringt hingegen die beste Anlage kaum etwas.
Auf das ganze Jahr gesehen, haben einzelne Regentage einen erstaunlich kleinen Einfluss; der Output ist ziemlich konstant. Und natürlich: Solarstrom ist eine verhältnismässig einfache und wichtige Lösung im Bereich der Energiegewinnung, allerdings nicht die einzige. Wind- und Wasserkraft bleiben elementar.

Solarstrom wird heute meist unmittelbar dann bezogen, wenn die Sonne scheint. An einem regnerischen, dunklen Tag muss ein Gebäude wie jenes am Schreinerweg 16 auf herkömmlichen Strom zurückgreifen. Gibt es keine Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung?

Lokal, also im Gebäude selbst, wird häufig kein Solarstrom auf Vorrat angelegt, das ist korrekt. Batterien sind noch nicht wirtschaftlich und halten meist nur ein paar Stunden oder Tage. Generell ist Sonnenenergie jedoch durchaus speicherbar: Etwa, indem überschüssiger Strom ins ewb-Netz eingespeist wird und so wieder als Wasserkraft in Pumpspeicherkraftwerken genutzt wird.

Wie viele Panels brauchen Eltern mit zwei Kindern pro Jahr ungefähr, um den Jahresstrombedarf zu decken?

(Überlegt kurz) Rund 30 Quadratmeter.

Wo steht Bern heute in der Solarenergie?

Was die Grösse der Stadt anbetrifft, hinken wir ein wenig hinten nach – zum Beispiel im Vergleich mit Burgdorf. In den letzten Jahren ist zwar einiges passiert, das Potenzial von ungenutzten Dächern bleibt aber riesig.

Nach wie vor sagen manche, die Herstellung von Solarzellen sei nicht wirklich ökologisch.
Ich kenne das Argument, es ist mittlerweile rund zwanzig Jahre alt – und doch kramen es manche Architekten noch immer gerne hervor. (lacht) Nun: Heute ist es so, dass die graue Energie, die für die Herstellung von solcher Panels entsteht, bei einer Anlage, die dreissig Jahre lang anhält, nach zirka einem Jahr amortisiert ist. Die Effizienz hat in dieser Hinsicht also gewaltig zugelegt.

Produziert die Schweiz eigentlich selbst auch Solarzellen?

Bloss in speziellen Fällen, etwa für Spezialpanels ästhetischer Installationen. In den letzten Jahren hat sich die Produktion klar gen Osten, Richtung China verlagert. Zum Glück findet unterdessen eine Gegenbewegung statt, die vermehrt wieder auf europäische Produktion setzt. Das Solarunternehmen Meyer Burger in Thun beispielsweise hat vor kurzem eine grosse Anlage in Deutschland eröffnet.

Woher beziehen Sie eigentlich Ihren Strom?

Ich bin Mieter in einem denkmalgeschützten Haus. Selbstverständlich setze ich auf Solarstrom, beziehe ihn hingegen extern.